| Veranstaltung: | Wahlprogramm Tempelhof-Schöneberg 2026 |
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| Tagesordnungspunkt: | 1. Unser grüner Bezirk |
| Antragsteller*in: | Kreisvorstand (dort beschlossen am: 18.03.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 18.03.2026, 19:04 |
A9: 1.8 SICHER UNTERWEGS: VERKEHR FAIR ORDNEN, UNFÄLLE VERMEIDEN, RECHT UMSETZEN
Antragstext
Der öffentliche Raum ist knapp – und heute oft ungerecht verteilt. Für Menschen, die zu Fuß gehen oder Rad fahren, ist das oft gefährlich. Kinder auf dem Schulweg, ältere Menschen an Ampeln, Menschen mit Kinderwagen oder Rollstuhl: Sie alle brauchen Platz und Sicherheit. Gleichzeitig entstehen Konflikte, wenn Autos, Lieferverkehr, Radfahrende und Fußgänger*innen auf engem Raum aufeinandertreffen. Unser Ansatz ist klar: Wir führen keinen Kulturkampf. Wir setzen Regeln um und machen Straßen sicher.
Wir Bündnisgrünen haben in Tempelhof-Schöneberg konkret an der Infrastruktur gearbeitet und gehören beim Radverkehr wieder zu den Top 3 der Bezirke. Wir haben wichtige Fahrradwege und Fahrradstraßen geschaffen oder weiterentwickelt – etwa in der Grunewaldstraße, Boelckestraße, dem Mariendorfer Damm und dem Tempelhofer Damm, der Monumentenstraße, Langenscheidtstraße und Belziger Straße. Mit dem Abfräsen des Kopfsteinpflasters am Priesterweg haben wir Neuland betreten: Die Nord-Süd-Radroute wurde deutlich komfortabler, das historische Pflaster blieb erhalten und Regenwasser kann weiter versickern. Das Projekt gilt inzwischen bundesweit als Blaupause und soll an weiteren Stellen im Bezirk folgen. Außerdem haben wir über 1.000 Fahrradabstellanlagen gebaut, damit sichere Wege auch sichere Ziele haben.
Die Bahnhofstraße in Lichtenrade ist historisch gewachsen: leider ist aber die Infrastruktur im Boden nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Den nötigen Umbau nutzen wir, um die Straße in Zukunft noch ansprechender zu machen mit barrierefreien Bushaltestellen, neuen Bäumen, Fußgängerüberwege und deutlich mehr Platz auf dem Gehweg. Beim Fußverkehr haben wir die Schulwegsicherheit ins Zentrum gestellt: Im Umfeld von neun Schulen haben wir den Verkehr beruhigt und es übersichtlicher gemacht, die Straßen zu überqueren. Zudem haben wir die Parkraumbewirtschaftung ausgebaut. Mit neuen Zonen in der Gartenstadt Tempelhof und rund um das Krankenhaus St. Joseph sind alle Ortsteile innerhalb des S-Bahn-Rings nun parkraumbewirtschaftet. Das schafft mehr Ordnung und eröffnet Spielräume – für Bäume, sichere Querungen, Lieferzonen, bessere Haltestellen und Radwege. Außerdem verankern wir neue Mobilitätsangebotee Parkraumüberwachung sofort starten, wenn der Senat die notwendigen Schnittstellen schafft. Wir Bündnisgrünen wollen, dass das Mobilitätsgesetz insgesamt konsequenter umgesetzt wird, weil es genau das fordert, was Menschen im Alltag brauchen: sichere Wege und eine faire Verteilung des Straßenraums.
Sicher zu Fuß
Wir Grünen richten unsere Verkehrspolitik an Vision Zero aus, damit niemand im Straßenverkehr stirbt oder schwer verletzt wird. Dafür bauen wir sichere Schulwege aus und machen Schulstraßen, gute Querungen und klare Sichtbeziehungen zum Standard. Gleichzeitig stärken wir die Infrastruktur für den Fußverkehr: mehr Bänke, öffentliche Toiletten und gute Wege – wer zu Fuß unterwegs ist, soll sich im Bezirk sicher und willkommen fühlen. Auch bei Ampeln setzen wir auf Sicherheit: Wir setzen uns für längere Grünphasen an Fußgänger*innenampeln ein, damit auch wer langsamer geht sicher rüber kommt.
Ein besonderer Schwerpunkt ist der Schulcampus Marienfelde, den wir als Modellprojekt für mehr Schulwegsicherheit entwickeln wollen. Darüber hinaus richten wir neue verkehrsberuhigte Zonen ein, zum Beispiel als Spiel-, Nachbarschafts- oder Sommerstraßen. So entsteht mehr Platz für Begegnung und Sicherheit. Und wir wollen, dass Kreuzungen sicherer umgebaut werden: Unfallschwerpunkte wie Alt-Mariendorf, Attilaplatz, Friedrich-Wilhelm-Platz oder der Innsbrucker Platz müssen entschärft werden. Dabei bauen wir Kreuzungen weiter barrierefrei um: Absenkungen, sichere Querungen und klare Wege helfen allen, besonders aber Älteren und Menschen mit Einschränkungen.
Sicher mit dem Rad
Wir Grünen schließen die Lücken im Radwegenetz und schaffen sichere Verbindungen. Wo es sicher ist, setzen wir auf grüne Rechtsabbiegerpfeile für Radfahrende mit zeitlich versetzter Ampelschaltung, um die Wartezeiten zu verkürzen und die Sicherheit zu erhöhen. Außerdem öffnen wir geeignete Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung – das macht Wege kürzer und sorgt für klare, sichere Routen im Kiez. Dort, wo viele Menschen bereits mit dem Rad unterwegs sind und wo es sichere Alternativen zu Hauptstraßen braucht, schaffen wir neue Fahrradstraßen.
Ein wichtiger Baustein ist auch die Teltowkanalroute als Radschnellverbindung: Wir beteiligen uns aktiv an der Planung, denn gerade der Süden des Bezirks braucht sichere, schnelle Verbindungen. Gleichzeitig schaffen wir zusätzliche Fahrradabstellflächen so, dass Gehwege frei bleiben – Radparken darf nicht auf Kosten von Menschen zu Fuß gehen. Deshalb bauen wir auch mehr Fahrradbügel an bezirklichene Abstellmöglichkeiten geschaffen – mit Pilotbetrieb seit Ende 2022 am Rathaus Schöneberg, seit Anfang 2024 auch in Alt-Mariendorf. Weitere sind bereits in Planung. Aber dabei darf es nicht bleiben: Geschützte Radwege auf Hauptachsen wie der Marienfelder Allee und die Umwidmung auf dem Lichtenrader Damm müssen her. Zugleich wollen wir die Anbindung insgesamt stärken: Am S-Bahnhof Buckower Chaussee soll auch die Regionalbahn halten, und am Kamenzer Damm braucht es eine neue S-Bahn-Haltestelle.
Sicher unterwegs mit ÖPNV und Auto
Wir Bündnisgrünen wollen, dass Menschen im Alltag verlässlich unterwegs sind – mit einem starken ÖPNV, gut kombinierbaren Angeboten und klarer Ordnung im Straßenraum. Deshalb richten wir Jelbi-Stationen an allen S- und U-Bahnhöfen im Bezirk ein, damit der Umstieg klappt. Gleichzeitig setzen wir Kiezblock-Initiativen gemeinsam mit Anwohner*innen um, transparent und mit klarer Auswertung. In der Gartenstadt Neu-Tempelhof starten wir ein Modellvorhaben mit flächendeckender Verkehrsberuhigung, um zu zeigen, wie mehr Ruhe, Sicherheit und Lebensqualität zusammengehen.
Für mehr Sicherheit gehen wir konsequent gegen Raserei vor, besonders dort, wo viele Kinder unterwegs sind, und setzen uns für Tempo 30 ein, wo es Sicherheit und Lärmschutz verbessert – wenn fachlich möglich auch auf Hauptstraßen. Dazu gehört auch Ordnung im Straßenraum: Wir sorgen für Ordnung, denn Falschparken und zugeparkte Gehwege gefährden Menschen, besonders jene mit Einschränkungen sowie Kinder die die Situationen so nur schwer überblicken können. Auch E-Scooter regeln wir konsequenter und gehen gegen das ordnungswidrige Abstellen von E-Rollern auf Gehwegen vor.
Den öffentlichen Nahverkehr stärken wir mit besserer Taktung, verlässlichen Busverbindungen und mehr Komfort, zum Beispiel durch Bänke an Haltestellen. Außerdem unterstützen wir den Ausbau des BVG-Rufservices Muva in den Außenlagen, damit alle gut angebunden sind – auch ohne eigenes Auto. Und wir setzen uns mit aller Kraft für eine Tramverbindung Alt-Mariendorf Gropiusstadt-Buckower Damm-Lichtenrade ein. Denn eine konkrete Tram, die absehbar funktionieren kann, ist besser als unrealistische Träume einer U-Bahn Verlängerung., damit der Süden des Bezirks besser angebunden wird. Schließlich unterstützen wir den Umstieg auf E-Fahrzeuge, bauen Ladepunkte aus, verbessern Park&Ride dort, wo es sinnvoll ist, und schaffen klare Lieferzonen in Geschäftsstraßen. Das entlastet Gehwege, hält Radwege frei und macht Lieferverkehr planbarer.