| Veranstaltung: | Wahlprogramm Tempelhof-Schöneberg 2026 |
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| Tagesordnungspunkt: | 2. Unser Bezirk, der alle mitnimmt |
| Antragsteller*in: | Kreisvorstand (dort beschlossen am: 18.03.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 18.03.2026, 19:13 |
A13: 2.2 QUEERES LEBEN STÄRKEN – SICHER UND SICHTBAR IM GANZEN BEZIRK
Antragstext
Im Regenbogenkiez rund um den Nollendorfplatz schlägt das Herz der Regenbogenhauptstadt – historisch einzigartig, Sehnsuchts- und Zufluchtsort und bis heute prägend für den Bezirk. Doch Angriffe auf queere Menschen oder das queere Mahnmal am Nollendorfplatz machen deutlich, dass queeres Leben und queere Gedenkorte zunehmend unter Druck stehen. Für uns ist klar: Wir schützen unseren vielfältigen Bezirk.
Um queere Menschen, queere Lebensentwürfe, queere Einrichtungen und Gedenkorte zu schützen, sichern wir die Präventionsarbeit, verlässliche Unterstützung für Betroffene sowie starke Schutz- und Beratungsstrukturen. Rund um den Regenbogenkiez bauen wir niedrigschwellige soziale Kiezprojekte wie die Nachtlichter aus, stärken die Arbeit des bezirklichen Präventionsbeauftragten und arbeiten eng mit Initiativen, Gastronom*innen und Anwohnenden zusammen. Denn Sicherheit entsteht dort, wo Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Wir wollen mit Projekten wie dem „Nachtbürgermeister“, „Noteingänge“, „Nachtcafé“ und „Notrufsäule“ dafür sorgen, dass den Menschen vor Ort geholfen wird. Den Einsatz der mobilen Nachtlichter als Ansprechpersonen im öffentlichen Raum wollen wir verstetigen und die Zusammenarbeit mit MANEO und der Gastronomie vor Ort absichern und ausbauen.
Unser Bezirksbürgermeister und unsere Stadträtin haben dafür gesorgt, dass queeres Leben im Schöneberger Norden so sichtbar wie nie zuvor geworden ist: die Aufstellung von Regenbogenbänken, Parkscheinautomaten mit der Pride Flag und Pride Flags im Pride Months in der Motzstraße sind nur einige Beispiele dafür. Wir haben außerdem den Preis für queere Lebensweisen ins Leben gerufen.
Queeres Leben braucht aber auch Orte der Begegnung und Unterstützung. Bildungs- und Beratungsangebote, die Arbeit mit queeren Jugendlichen und die Beratung von Regenbogenfamilien geben Halt in ganz unterschiedlichen Lebenslagen. Daher setzen wir uns für ein weiteres queeres Jugendzentrum ein. Den Regenbogenkiez entwickeln wir weiter als Wirtschafts-, Kultur- und Communitystandort – offen, vielfältig und einladend für alle. Seit mittlerweile drei Jahren ist Tempelhof-Schöneberg mit einem eigenen Wagen beim Christopher Street Day vertreten. Das zeigt: Vielfalt, Sichtbarkeit und queeres Leben gehören selbstverständlich zu unserem Bezirk.
Auch queere Einrichtungen sind zunehmend von Gentrifizierung und Verdrängung bedroht. Die Schließung des Café Berio ist dafür ein besonders trauriges Beispiel. Wir werden uns weiterhin mit allen politischen Mitteln für die Sicherung queerer Orte einsetzen.
Queere Geschichte ist fester Bestandteil unseres Bezirks. Gemeinsam mit Initiativen aus der Community sichern, pflegen und erweitern wir queere Gedenkorte und verankern queere Erinnerungskultur nachhaltig in Tempelhof-Schöneberg.
Lesbische Sichtbarkeit stärken wir im gesamten Bezirk weiter. Auch der Regenbogenkiez ist männlich geprägt. Wir wollen in den nächsten fünf Jahren dafür Sorge tragen, dass es neben der BEGINE einen weiteren Frauen- und Lesbentreffpunkt geben wird. Das Café „Romeo und Romeo“ ist eine Selbstverständlichkeit, das wir mit großer Zuneigung unterstützen. Daneben muss aber ein Restaurant oder Treffpunkt „Julia und Julia“ Wirklichkeit werden. Es darf nicht sein, dass Frauen sich ins Private zurückziehen. Sie haben den gleichen öffentlichen berechtigten Anspruch wie schwule Männer.
Queere Lebensrealitäten verändern sich mit dem Alter – deshalb sichern und fördern wir Orte und Veranstaltungen für Lesben in jedem Alter. Mit Angeboten für Teilhabe, Austausch zwischen den Generationen und Begegnung im Kiez wirken wir Einsamkeit älterer queerer Menschen entgegen.
Mit Fortbildungen und der Weiterentwicklung der Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz geschlechtlicher und sexueller Vielfalt“ (IGSV) wird eine queer-sensible Verwaltung im Bezirk spürbar.
So schaffen wir ein Tempelhof-Schöneberg, in dem queere Menschen sichtbar und ohne Angst leben können.